Vorwort Behnecke Geschäftsbericht '10
Nicht zuletzt wegen der ständig steigenden Energiepreise wird der Spielraum für Wohnungsunternehmen, wirtschaftlich notwendige Anpassungen der Grundmieten vorzunehmen, immer geringer. Wo die zu zahlende Grundmiete bei der Wohnbau Gießen GmbH in den vergangenen Jahren im Durchschnitt um nur wenige Prozent anstieg, hatten unsere Mieterinnen und Mieter im gleichen Zeitraum eine Erhöhung ihrer Energiekosten von über 70 Prozent zu verkraften. Und ein Ende der Energiepreissteigerungen ist nicht abzusehen.
Diese Entwicklung haben wir bereits vor einigen Jahren erkannt und steuern seither mit der umfassenden energetischen Sanierung unseres Gebäudebestandes gegen. Selbstverständlich haben diese Sanierungsmaßnahmen zunächst einmal eine Steigerung der Grundmieten zufolge, was bei der Mieterschaft naturgemäß nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt – wobei in der Regel jedoch übersehen wird, dass nur ein geringer Teil der Mieterhöhungen tatsächlich auf den energetischen Anteil der Sanierungen zurückzuführen ist. Der überwiegende Teil der Sanierungskosten nämlich entfällt nachweislich auf die Modernisierung und Ausstattungsverbesserung der Wohnungen und dient damit der Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität unserer Mieterschaft.
Dennoch sind die Folgekosten der energiesparenden Maßnahmen am Gebäudebestand zunächst einmal nicht wegzudiskutieren. Doch sind wir überzeugt, dass sie unseren Mieterinnen und Mietern bereits in wenigen Jahren zum Vorteil gereichen werden. Denn der Trend zu immer höheren Energiekosten ist angesichts der knapper werdenden Ressourcen kaum mehr aufzuhalten, sondern wird sich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit noch verstärken. Mit unseren energetischen Sanierungsarbeiten wirken wir den Auswirkungen dieser Entwicklung entgegen. Denn bei der Wohnbau wird auch in vielen Jahren günstiges Wohnen noch möglich sein – eben weil unseren Mietern, die in einem Niedrigenergiehaus wohnen, die Heizkosten dann ziemlich egal sein können.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind wir über das energetische Maß, das bis dahin unsere Sanierungen kennzeichnete, noch ein gutes Stück hinausgegangen. Erstmals haben wir den Versuch unternommen, zwei mehrere Jahrzehnte alte „Energieschleudern“ unseres Bestandes im Passivhausstandard zu sanieren. Mit Erfolg – wie uns auch das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bescheinigte, indem es uns einlud, eben diese Gebäude anlässlich des 1. Hessischen Tages der Nachhaltigkeit einem breiten Fachpublikum vorzustellen.
Ein weiteres Projekt des Geschäftsjahres, auf das wir nicht ohne Stolz zurückblicken, war der Abschluss der Sanierungsarbeiten am Ludwigsplatz 11, in Gießen besser bekannt als das „Dachcafé“. Das 13geschossige Hochhaus war nach fünf Jahrzehnten Lebenszeit in die Jahre gekommen, die im 13. Stockwerk angesiedelte Gastronomie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Nach einer grundlegenden Sanierung erstrahlt das Gebäude heute wieder in neuem Glanz. Das komplett abgetragene und wieder errichtete 13. Stockwerk beherbergt wieder einen Gastronomiebetrieb, der sich bereits ein begeistertes Stammpublikum sichern konnte. Zudem konnten die 91 Wohneinheiten nach Fertigstellung innerhalb von nur sechs Monaten zu fast 90 Prozent wieder vermietet werden – nicht zuletzt weil sie einen hohen energetischen Standard aufweisen.
Diese Erfolge machen uns Mut auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen, auch wenn - oder gerade weil - die Sinnhaftigkeit von energetischen Sanierungsmaßnahmen noch längst nicht überall erkannt wurde oder sogar vehement bestritten wird.
Ein herzliches Dankeschön geht an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich – trotz dieser kritischen Stimmen – bereit erklärt haben, diese innovativen Konzepte nicht nur mitzutragen sondern tatkräftig zu unterstützen und umzusetzen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.
Volker Behnecke
Geschäftsführer

